JAGD UND NATUR  SÜDHESSEN E.V.

„Natürlich“ nachgefragt…

Was ist eigentlich Zunder?

Text und Fotos: Anke Timmerberg Herbst, Winter, die Zeit in der wir es uns bei Kerzenschein gemütlich machen, ein Feuer im Ofen oder Kamin anzünden und oft hört man den Satz: „Pass‘ auf, das brennt wie Zunder!“ Aber was ist das überhaupt, Zunder?? Ahnungsloses Schulterzucken ist meist die Antwort… Dabei hat ihn fast jeder schon draußen im Wald gesehen: ein Baumpilz oder genauer ein Baumschwamm, der Zunderschwamm! Er liebt besonders geschwächte Buchen und Birken, aber auch an Pappeln kann man ihn finden. In recht unfeiner Manier dringt er durch Ast- der Stammwunden in den Wirtsbaum ein und verursacht die sogenannte Weißfäule im Kernholz des Baumes, ein echter Schmarotzer eben. Fast wie eine längs aufgeschnittene Glocke sieht er aus, wie er so fest an der Baumrinde sitzt, immer nach unten geöffnet. Mit dem Wachsen hat er es nicht so eilig. Bis zu 30 Jahre alt kann so ein Zunderschwamm  werden und dabei Breiten von 30 bis 60 cm erreichen. Wunderschön und sehr vielfältig sind die Farben, in denen er sich präsentiert. Von cremefarben, rostrot und braun, grauschwarz oder graugrünlich.. Für uns Menschen war ein Leben ohne den Zunderschwamm lange nicht denkbar. Schon in der Jungsteinzeit wusste man, wie der Zunder aus dem Pilz zu gewinnen war, der ihm schließlich auch seinen Namen gab. Eine filzige Masse, die bei geringstem Funkenflug zu glimmen beginnt. Nein, er brennt tatsächlich nicht „wie Zunder“, wie es doch immer heißt.  Wer nun glaubt, er könne den Pilz einfach vom Baum holen – er sitzt verdammt fest – und hätte den besten Kaminanzünder, der irrt. Ganz so einfach ist es nicht. Nur eine bestimmte Schicht, die sogenannte Trama taugt zur Zundergewinnung und der Herstellungsprozess ist aufwendig. Die Trama wurde eingeweicht, gekocht, geklopft, in Salpeterlösung oder Urin eingelegt (riecht nicht wirklich lecker…) und getrocknet. Aber in Zeiten ohne Einweg- Feuerzeug musste man sich eben anders behelfen, wenn es in der Stube warm sein und die Suppe im Kessel kochen sollte. Dieser schöne und skurril geformte Pilz hat aber durchaus noch mehr zu bieten. Bis ins 19. Jahrhundert hinein kannte man ihn auch als „Wundschwamm“. Zu dünnen Lappen geklopft, fand er als blutstillende Wundauflage Verwendung. In dieser Zeit war die Nachfrage nach Zunderschwämmen so hoch, dass er in Deutschland zur echten Rarität wurde und aus anderen Ländern eingeführt werden musste. Auch damit noch nicht genug. Unbehandelt wurden und werden bis heute (vor allem in Rumänien) Kappen, Westen, Taschen und Pantoffeln oder auch Deckchen daraus hergestellt. Macht dieser holzzersetzende Pilz auch seinen Wirtsbaum krank, so war er doch der Menschheit lange Zeit von großem Nutzen. Auch wenn er inzwischen seine Bedeutung verloren hat, können wir uns doch an seiner extravaganten Schönheit im Wald erfreuen. Wenn ihr euch nun auf die Suche macht, dann denkt daran, in Wäldern mit altem Baumbestand und Totholz zu suchen. In jungen, forstwirtschaftlich genutzten Wäldern findet der Zunderschwamm keine Heimat. Begegnet euch jemand, während ihr gerade fasziniert in die Welt des Fomes fomentarius – das ist sein wohlklingender lateinischer Name – eintaucht, dann fragt doch einfach mal: Was ist eigentlich Zunder? Viel Spaß bei der Pilzsuche und bis zum nächsten „Natürlich“ nachgefragt… Noch andere Vertreter von Familie Baumschwamm… Zaunblättling an Kieferntotholz Eichenporling Rotrandiger Baumschwamm, kann leicht mit dem Zunderschwamm verwechselt werden.
Zaunblättling an Kieferntotholz
Rotrandiger Baumschwamm,
Eichensporling
JAGD UND NATUR  SÜDHESSEN E.V.

„Natürlich“ nachgefragt…

Was ist eigentlich Zunder?

Text und Fotos: Anke Timmerberg
Herbst, Winter, die Zeit in der wir es uns bei Kerzenschein gemütlich machen, ein Feuer im Ofen oder Kamin anzünden und oft hört man den Satz: „Pass‘ auf, das brennt wie Zunder!“ Aber was ist das überhaupt, Zunder?? Ahnungsloses Schulterzucken ist meist die Antwort… Dabei hat ihn fast jeder schon draußen im Wald gesehen: ein Baumpilz oder genauer ein Baumschwamm, der Zunderschwamm! Er liebt besonders geschwächte Buchen und Birken, aber auch an Pappeln kann man ihn finden. In recht unfeiner Manier dringt er durch Ast- der Stammwunden in den Wirtsbaum ein und verursacht die sogenannte Weißfäule im Kernholz des Baumes, ein echter Schmarotzer eben. Fast wie eine längs aufgeschnittene Glocke sieht er aus, wie er so fest an der Baumrinde sitzt, immer nach unten geöffnet. Mit dem Wachsen hat er es nicht so eilig. Bis zu 30 Jahre alt kann so ein Zunderschwamm  werden und dabei Breiten von 30 bis 60 cm erreichen. Wunderschön und sehr vielfältig sind die Farben, in denen er sich präsentiert. Von cremefarben, rostrot und braun, grauschwarz oder graugrünlich.. Für uns Menschen war ein Leben ohne den Zunderschwamm lange nicht denkbar. Schon in der Jungsteinzeit wusste man, wie der Zunder aus dem Pilz zu gewinnen war, der ihm schließlich auch seinen Namen gab. Eine filzige Masse, die bei geringstem Funkenflug zu glimmen beginnt. Nein, er brennt tatsächlich nicht „wie Zunder“, wie es doch immer heißt.  Wer nun glaubt, er könne den Pilz einfach vom Baum holen – er sitzt verdammt fest – und hätte den besten Kaminanzünder, der irrt. Ganz so einfach ist es nicht. Nur eine bestimmte Schicht, die sogenannte Trama taugt zur Zundergewinnung und der Herstellungsprozess ist aufwendig. Die Trama wurde eingeweicht, gekocht, geklopft, in Salpeterlösung oder Urin eingelegt (riecht nicht wirklich lecker…) und getrocknet. Aber in Zeiten ohne Einweg- Feuerzeug musste man sich eben anders behelfen, wenn es in der Stube warm sein und die Suppe im Kessel kochen sollte. Dieser schöne und skurril geformte Pilz hat aber durchaus noch mehr zu bieten. Bis ins 19. Jahrhundert hinein kannte man ihn auch als „Wundschwamm“. Zu dünnen Lappen geklopft, fand er als blutstillende Wundauflage Verwendung. In dieser Zeit war die Nachfrage nach Zunderschwämmen so hoch, dass er in Deutschland zur echten Rarität wurde und aus anderen Ländern eingeführt werden musste. Auch damit noch nicht genug. Unbehandelt wurden und werden bis heute (vor allem in Rumänien) Kappen, Westen, Taschen und Pantoffeln oder auch Deckchen daraus hergestellt. Macht dieser holzzersetzende Pilz auch seinen Wirtsbaum krank, so war er doch der Menschheit lange Zeit von großem Nutzen. Auch wenn er inzwischen seine Bedeutung verloren hat, können wir uns doch an seiner extravaganten Schönheit im Wald erfreuen. Wenn ihr euch nun auf die Suche macht, dann denkt daran, in Wäldern mit altem Baumbestand und Totholz zu suchen. In jungen, forstwirtschaftlich genutzten Wäldern findet der Zunderschwamm keine Heimat. Begegnet euch jemand, während ihr gerade fasziniert in die Welt des Fomes fomentarius – das ist sein wohlklingender lateinischer Name – eintaucht, dann fragt doch einfach mal: Was ist eigentlich Zunder? Viel Spaß bei der Pilzsuche und bis zum nächsten „Natürlich“ nachgefragt…